Podcast-Transkript
Tom Roth: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres Podcasts. Ich darf heute Dr. Bruns wieder bei uns im Frankfurter Büro begrüßen.
Dr. Bruns: Ja, ich freue mich, hier zu sein.
Tom Roth: Herr Bruns, wir haben ja im letzten Podcast schon angeschnitten, da ging gerade der Iran-Konflikt los. Jetzt hat er sich ja doch noch länger gezogen als vielleicht auch erwartet und es ist jetzt mittlerweile auch schon einen Monat her. Wie blicken Sie denn aktuell auf die Ereignisse?
Dr. Bruns: Ja, zunächst mal muss man sagen, es geht wie bei anderen Kriegen auch: Es ist immer leichter, in den Krieg reinzukommen als wieder raus. Vielleicht zur Erinnerung beim Ersten Weltkrieg: 1914 hat es ja geheißen, es ging im Herbst los, wir sind Weihnachten wieder zu Hause – und dann hat es jahrelang gedauert. Und es sieht ja wohl so aus, dass hier der Angreifer Israel, die Amerikaner, nicht hinreichend vorbereitet waren, haben den Gegner unterschätzt. Das ist der klassische Kriegsfehler.
Dr. Bruns: Und nun sind wir in der vierten Woche und müssen mal sehen, dass der Schaden begrenzt werden kann. Schwierig genug. Sie fragen zurecht nach der Aktualität. Die Börsen haben das nicht sehr genossen, den Kriegsbeginn. Insbesondere sehen wir die Folgen im Energiemarkt und das wird sich ja dann auf andere Bereiche fortsetzen. Da gibt es einen Transmissionsriemen. Entsprechend schwach hat sich jetzt manches auch entwickelt zuletzt. Das muss schon im Auge gehalten werden.
Tom Roth: Das ist natürlich auch einer der Hauptcharaktere, Donald Trump, der jetzt auch letzte Woche mit dem Ultimatum angefangen hat, was sich ja dann auch noch mal verlängert hat jetzt auf den 6. April. Sind das Ereignisse, die man auch mit bedenken muss oder kann man darauf überhaupt reagieren?
Dr. Bruns: Ja, zunächst mal: Das Haus LOYS ist ja kein Börsenhandelshaus. Wir sind kein Händler, sondern Portfoliomanager. Da ist eigentlich die richtige Frage: Was können wir tun, damit wir in fünf Jahren von jetzt eine schöne Wertentwicklung vermelden können? Und dazu gehört – ob man das mag oder nicht – auch, von Krisen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Dr. Bruns: Ich spreche jetzt zunächst mal für den LOYS Philosophie Bruns Fonds. Der hatte einen guten Anteil Energieaktien. Dazu gehören Ölservice, dazu gehören Raffinerieaktien und dergleichen. Und die Krise hat nun höhere Kurse gebracht. Und ich nehme die Gelegenheiten wahr, dann auch mal Gewinne mitzunehmen.
Dr. Bruns: Aber die Krise bringt mehr Verliererbranchen als Gewinnerbranchen. Da wir langfristig denken, gibt es auch interessante Optionen, die durch die große Volatilität jetzt günstiger geworden sind. Kriege sind eine gefährliche Sache. Sie zerstören Vermögen, sie bringen die Zinsen nach oben, sie treiben Rohstoffpreise und Inflation.
Dr. Bruns: Aber es gibt auch Möglichkeiten in der Krise, weil dort übertrieben wird. Denken Sie mal an die Gegenseite der Energieaktien, zum Beispiel die Tourismusaktien: Reisebranche, Fluglinien. Die müssen heute wesentlich mehr für Treibstoff zahlen. Entsprechend schwach haben sich die Kurse entwickelt. Kreuzfahrtanbieter ebenso.
Dr. Bruns: Und jetzt ist es unsere Aufgabe, das durch die Krise zu teuer gewordene zu verkaufen und stattdessen günstig gewordene Dinge einzusammeln. Mit Krisen können wir umgehen.
Tom Roth: Also sehen Sie da auch ganz klares Investitionspotenzial?
Dr. Bruns: Genauso ist es. Hier könnte man etwa den Softwaresektor nennen. Der hat sich zuletzt schwach entwickelt, weniger wegen der Krise als wegen der künstlichen Intelligenz. Aber genau das ist für uns eine Gelegenheit.
Tom Roth: Jetzt haben wir natürlich auch mit der Straße von Hormus ein großes Thema, was den Ölpreis betrifft.
Dr. Bruns: Ja, zunächst mal ist festzustellen: Energie ist zentral. Länder, die breit diversifiziert sind bei Energiequellen, sind klar im Vorteil. Europa und insbesondere Deutschland sind hier schwächer aufgestellt.
Dr. Bruns: Energie bleibt wichtig – auch die nächsten 50 Jahre. Wer das nicht glaubt, hat keine Ahnung von der Realität. Wir investieren entsprechend, nehmen aber auch Gewinne mit.
Dr. Bruns: Ich gehe davon aus, dass auch dieser Krieg ein Ende finden wird. Die USA haben kein Interesse an einem dauerhaften Konflikt. Trump wird einen Weg finden müssen, da herauszukommen – auch wegen Inflation und Zinsen.
Dr. Bruns: Und für Investoren gilt grundsätzlich: Wer in der Krise kaufen kann, verschafft sich einen Einstiegsvorteil. Das fällt schwer, aber Krisenzeiten sind Kaufzeiten. Jubelzeiten sind eher Verkaufszeiten.
Tom Roth: Das ist ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.
Dr. Bruns: Sehr gerne.