00:15 - Marktüberblick
15:00 - Aktie des Monats Deutschland
22:55 - Aktie des Monats Dividende
Podcast-Transkript
Tom Roth: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres Podcasts. Mit mir im Frankfurter Büro sitzt wie immer Markus Herrmann.
Markus Herrmann: Hallo Tom.
Tom Roth: Wir machen ja wie jeden Monat für unsere Zuhörer einmal den aktuellen Marktüberblick, bevor wir dann zu den Aktien des Monats übergehen. Wir haben jetzt ja letzte Woche gesehen, dass Iran und USA jetzt in Versailles ein Abkommen unterzeichnet haben. Wie hast du das wahrgenommen? Wie hat der Markt das aufgenommen und wie hat sich das entwickelt?
Markus Herrmann: Letzten Endes hat sich das ja so entwickelt, wie wir auch gehofft hatten oder erwartet hatten, auch in Aussicht gestellt hatten, dass der Konflikt nicht allzu lange dauern kann. Nichtsdestotrotz weiß jeder der Zuschauer oder Zuhörer natürlich, dass das immer mit Vorsicht zu genießen ist, was da passiert.
Markus Herrmann: Wir hatten ja jetzt schon einige Beispiele, wo man gedacht hat, man ist jetzt nah an einem Deal und dann wurde es doch wieder kompliziert. Es ist ja auch noch eine weitere Partei involviert mit Israel und der Hisbollah, also ein weiterer Konflikt, der da schwelt, der immer wieder ausbrechen kann oder momentan ja auch noch weitergeführt wird. Deshalb muss man natürlich abwarten, inwiefern die Waffenruhe so Bestand hat.
Markus Herrmann: Aber ich glaube, die Amerikaner sind dem Iran jetzt extrem weit entgegengekommen. Die Iraner können wahrscheinlich ihr Glück kaum fassen. Der Deal ist extrem positiv für den Iran. Iran ist der absolute Gewinner des ganzen Konflikts und die USA mit Trump wollen einfach nur noch irgendwie aus diesem Konflikt rauskommen, ist meine Wahrnehmung.
Markus Herrmann: Und wenn man das Ganze dann nur halbwegs als Sieg verkaufen kann, auch vor den Midterm Elections, die ja anstehen, dann sind die da fein mit. Und so liest sich das ganze Dokument für mich.
Markus Herrmann: Das Gute ist, die Straße von Hormuz ist jetzt erstmal quasi frei. Da fließen schon wieder oder gehen schon wieder sehr, sehr viele Liter an Rohöl durch und anderen Gütern. Das ist auch zwingend und dringend notwendig, denn wir hatten ja von Anfang an auch gesagt, solange sich das alles noch in der ersten Jahreshälfte abspielt mit dem Konflikt, kann die Welt damit umgehen.
Markus Herrmann: Es gibt eben dementsprechende Reserven, die man aufgebaut hat an Öl und an anderen Stoffen, wie beispielsweise Helium für die Chip-Industrie und Düngemittel etc., die das eben nochmal kompensieren können, dass ein Teil des Angebots fehlt.
Markus Herrmann: Und auch die Preissprünge haben sich eigentlich bei den meisten Komponenten noch im Rahmen gehalten. Aber wenn das eben sehr, sehr weit noch in die zweite Jahreshälfte gegangen wäre, dann hätte die Welt ein Problem gehabt, mangels physischen Angebots der verschiedenen Dinge, die eben aus dem Persischen Golf kommen.
Markus Herrmann: Und deshalb ist es jetzt auch notwendig, dass wir diesen Schritt gehen hin zu einem Agreement und dass dieser Konflikt beendet wird. Ich glaube auch, dass einfach die Weltmächte außenrum, wie beispielsweise die Chinesen, die Inder, aber auch die Golfanrainerstaaten, erheblichen Druck jetzt auch gemacht haben, weil eben allen klar ist, dass dieser Konflikt nicht zu lange dauern darf, so wie ich es gerade erläutert habe. Und in dem Sinne ist eben die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir tatsächlich jetzt vor dem Ende des Konflikts stehen.
Tom Roth: Also würdest du auch sagen, dadurch, dass jetzt die Exportfähigkeit durch die Straße wieder stattgefunden hat, dass das auch einen gewissen Rückenwind auch den ganzen Unternehmen jetzt geben wird und die jetzt wieder, vor allem was die Energiethematik angeht, wieder einen positiven Ausblick haben?
Markus Herrmann: Es gibt zwei Komponenten. Das eine ist die realwirtschaftliche Komponente. Ölpreis deutlich runtergekommen von 110, 115 in der Spitze dann jetzt wieder auf unter 80 Dollar. Das ist schon signifikant.
Markus Herrmann: Man merkt das ja auch letzten Endes beim Tanken und das setzt wieder Budgets frei für die Konsumenten, die davor blockiert waren. Das hat den Konsum natürlich auch belastet. Viele Konsumenten konnten eben nicht mehr so viel konsumieren, viele waren verunsichert. Geht das noch? Es gab ja Wochen, da ist eben jeden Tag der Spritpreis gestiegen, man wusste ja nicht, wo ist da das Ende. Das verunsichert natürlich die Verbraucher.
Markus Herrmann: Und es war auch eine Kostenbelastung für die Unternehmen, ein belastender Faktor. Auch Logistikkosten sind drastisch gestiegen. Das heißt, wenn sich das alles wieder normalisiert, das wieder nach unten kommt, dann ist das realwirtschaftlich natürlich gut, das heißt weniger Kosten für Verbraucher und Unternehmen.
Markus Herrmann: Und das zweite ist natürlich, wie du schon gesagt hast, eine bessere Visibilität. Man kann wieder stärker nach vorne schauen, wenn sich Dinge, die davor angespannt waren, entspannen. Dann ist das per se gut für die Wirtschaft. Man kann wieder planen, man kann wieder investieren und dann wird eben nicht mehr jedes Projekt nach hinten verschoben, wieder sechs Monate verschoben, um einfach Konflikte abzuwarten, wie sie sich entwickeln.
Markus Herrmann: Insofern bin ich da optimistisch, dass das wirklich der Startschuss auch für eine wirtschaftliche Erholung sein kann.
Tom Roth: Hat sich das denn im Kapitalmarkt schon widergespiegelt? Weil wie du auch gesagt hast, mit Israel gibt es ja teilweise immer noch einige Konflikte und es dauert ja auch eine gewisse Zeit, bis dann die Energiethematik sich auch wieder senkt. Zeigen sich da schon Aufschwünge?
Markus Herrmann: Ja, also am Kapitalmarkt sieht man jetzt nicht allzu große Spuren des ganzen Konflikts, wenn man jetzt nur auf die Indizes schaut. Man muss natürlich aber dazu sagen, dass die Zusammensetzung der Performance nicht alltäglich ist, denn eigentlich treiben nur wenige Aktien den Aktienmarkt nach oben.
Markus Herrmann: Und das sind vor allem die Aktien, die eben mit dem Thema KI, künstliche Intelligenz, zu tun haben. Sei es eben die sogenannten Hyperscaler wie Alphabet, wie Microsoft, wie Meta, wie Amazon, aber natürlich auch vor allem die Chip-Unternehmen wie Nvidia, Broadcom und wie sie alle heißen.
Markus Herrmann: Dann natürlich neue IPOs wie SpaceX, fulminant gestartet an der Börse mit ordentlich Vorschusslorbeeren, und alle Aktien im Bereich Energieinfrastruktur. Wir hatten es ja letztes Mal schon diskutiert, welche Unternehmen es hier gibt, die davon profitieren und die haben den Markt extrem nach oben gezogen.
Markus Herrmann: Wenn ich mir die anderen Aktien anschaue, dann sehen wir hier überwiegend Aktien, die entweder seitwärts tendiert haben oder sogar verloren haben. Ich glaube, deswegen ist der Markt da momentan einfach zweigeteilt beziehungsweise seit Jahresanfang. Und die Chancen bestehen aus meiner Sicht eben eher in den Aktien, die eben noch das Nachholpotenzial haben, die noch relativ günstig zu haben sind und die dann von einer wirtschaftlichen Erholung, die jetzt eben ausgelöst werden kann, entweder in der Industrie oder auch bei den Verbrauchern, beim Konsum, dann dementsprechend profitieren können und positiv überraschen können.
Tom Roth: Du hast es gerade erwähnt, SpaceX, was ja wirklich eine riesen IPO war, wenn man sich mal die Marktkapitalisierung anschaut. Wie schätzt du solche Börsengänge ein? Wir können ja wahrscheinlich auch noch erwarten, dass vielleicht auch noch Anthropic oder OpenAI public gehen werden. Wie siehst du das?
Markus Herrmann: Davon ist auszugehen, dass die zwei an die Börse gehen werden. Haben sie ja schon öffentlich bekannt gemacht. Ich denke, man muss ein bisschen abwarten, wie die Politik letzten Endes jetzt das Geschäftsfeld der beiden beeinflusst.
Markus Herrmann: Es ist natürlich nicht schön, wenn man an die Börse gehen will und gleichzeitig wird gesagt, naja, eure neuesten Modelle dürfen nicht ins Ausland, Russland verkauft werden oder dürfen nur eingeschränkt benutzt werden etc. pp. Das löst Unsicherheit aus.
Markus Herrmann: Für mich ist SpaceX, weil du es gerade erwähnt hast, eigentlich so ein bisschen Sinnbild dessen, was wir momentan in der KI-Wahrnehmung am Aktienmarkt sehen. Es gibt durchaus KI-Aktien, wo man sagen kann, die sehen gar nicht so teuer aus. Da ist eher die Frage, wie nachhaltig sind die Erträge, die momentan ein Vielfaches darstellen von dem, was die Unternehmen in der Historie oder normalerweise erzielen.
Markus Herrmann: Bei SpaceX ist es gerade andersrum. Es wird ja immer gesagt, der Unterschied zum Neuen Markt ist, dass die Erträge heute schon da sind bei den KI-Unternehmen und dementsprechend auch viel Geld verdient wird und dementsprechend verdienen die auch eine hohe Bewertung. Das ist zum Großteil auch richtig, muss man sagen. Bei SpaceX ist die Sache schon anders gelagert. Da ist extrem viel Zukunftsfantasie drin.
Markus Herrmann: SpaceX besteht ja ungefähr aus drei großen Teilen. Einerseits die Raumfahrtkomponente mit den Raketen. Da hat man jetzt eine dominante Marktposition. Inwiefern die Welt jetzt dauerhaft auf einen oder zwei setzen können wird, der eben dieses Tor besetzt zum Weltraum, lasse ich mal dahingestellt sein. Aber letzten Endes hat man da eine interessante Marktposition, definitiv.
Markus Herrmann: Dann hat man den zweiten Bereich Starlink, wo man Satelliteninternet anbietet. Das ist der Bereich, der kurzfristig auch am attraktivsten ist, weil die Wachstumsraten sind sehr, sehr hoch. Die Profitabilität ist sehr gut und man ist im Moment der Einzige, der so einen Service anbieten kann. Aber man macht, glaube ich, dann einen Umsatz von um die 15 Milliarden. Das würde jetzt keine zwei Billionen Marktkapitalisierung rechtfertigen, selbst bei den Wachstumsraten von 40, 50 Prozent, die man da hat.
Markus Herrmann: Und auch langfristig ist davon auszugehen, dass es eben nicht nur einen Satelliten-Internet-Provider auf der Welt geben wird. Jeff Bezos ist ja da auch schon in den Startlöchern. Die Europäer werden was in den Weltraum schießen, die Chinesen, die Inder. Also da wird es mehr Konkurrenz geben, definitiv. Und dann ist natürlich die Frage, inwiefern kann man sich jetzt da unterscheiden oder gibt es dann einfach nur einen Preiskampf?
Markus Herrmann: Und die dritte Komponente, das ist die mit Abstand spekulativste Komponente, nämlich das ist die Vision, die sich mit der künstlichen Intelligenz beschäftigt: xAI. Das war die Gründung von Elon Musk, die er dann versucht hat mit Tesla zusammenzuführen und das hat dann nicht so ganz geklappt, deshalb hat er sie dann in SpaceX eingebracht.
Markus Herrmann: xAI hat extrem große Wachstumsambitionen, braucht dementsprechend da auch viel Geld. Und deswegen kam natürlich der Börsengang von SpaceX dann ganz gelegen, die Unternehmung da rein zu fusionieren und dann über den SpaceX-Börsengang frisches Geld zu bekommen für die KI-Expansion.
Markus Herrmann: Und um da mal ein Gefühl für zu geben, wie spekulativ aus meiner Sicht das Ganze ist: Die Analysten, die den Börsengang begleitet haben und natürlich auch diese hohe Bewertung von der SpaceX rechtfertigen mussten, die nehmen im Schnitt eine Verhundertfachung der KI-Umsätze von xAI in den nächsten Jahren an.
Markus Herrmann: Und ich glaube, diese Annahme zeigt schon, dass man hier nicht von investieren, sondern wirklich von spekulieren reden muss. Bei keinem anderen Unternehmen würde ein Investor Geld geben und sagen: Ich erwarte eine Verhundertfachung der Umsätze. Das ist völlig abstrus. Vielleicht kommt das so, aber das ist sicherlich kein Base Case, den man annehmen kann für eine Investition. Das muss man einfach wissen, wenn man da investiert.
Markus Herrmann: SpaceX hat ein KGV T-2, also in 2028, von rund 300. Dementsprechend viel Fantasie ist in der Aktie.
Tom Roth: Gestern hat ja auch Elon Musk bekannt gegeben, dass sie jetzt auch Anleihen emittieren wollen. Wir haben beim letzten Podcast auch schon drüber gesprochen, um den enormen Finanzierungsbedarf auch von KI zu decken, was die Aktie dann auch negativ eingepreist hat. Und würdest du sagen, dass da auch die Investoren langsam sehen, dass man sich mit der ganzen KI-Thematik vielleicht auch ein bisschen überschätzt hat, wenn du auch erzählst, was die Analysten da prognostizieren?
Markus Herrmann: Naja, es ist letzten Endes so, dass es einfach unglaubliche Massen an Geld braucht, um diese Datencenter und die ganze Infrastruktur zu bauen. Und er will ja sogar eigene Chips produzieren für die Datencenter, um eben von diesem Flaschenhals wegzukommen, dass er sich auf Unternehmen verlassen muss wie SK Hynix, wie Micron, wie Nvidia, die eben die Chips liefern, sondern das will er selber machen.
Markus Herrmann: Und wir sehen das ja auch bei den großen Hyperscalern, eben bei einer Google, bei einer Amazon, bei einer Microsoft, bei einer Meta und so weiter. Die waren bis vor kurzem in einer Situation, dass sie gigantische Cashflows erzielt haben und mit den Cashflows dann auch eigene Aktien zurückgekauft haben, Dividenden gezahlt haben etc. pp. Diese ganzen Cashflows werden jetzt aufgefressen von den Investitionen.
Markus Herrmann: Und deshalb müssen auch Google beziehungsweise Alphabet Kapitalmaßnahmen machen. Es werden Anleihen ausgegeben. Das sind Bewegungen oder Aktionen, die man von diesen Unternehmen so noch nie gesehen hat in der Dimension, weil einfach das Geld nicht mehr ausreicht.
Markus Herrmann: Und deshalb muss man natürlich auch immer wissen: Wenn man nach wie vor prognostiziert, dass es weiteres Wachstum geben kann in den KI-Investitionen von einem sowieso schon sehr, sehr hohen Level, dann muss das irgendwie finanziert werden. Irgendwer muss eben Geld geben. Im Zweifel sind das wiederum die Banken oder auch andere Anleger.
Markus Herrmann: Wir sehen auch erste Tendenzen, dass diese Schulden, die man eben dann an die Hyperscaler vergeben hat, dass die wiederum verbrieft werden, weiterverkauft werden, diese Forderungen, die man da hat. Also so ein bisschen wie das, was wir damals in der Subprime-Krise gesehen haben. Weil keine Bank will natürlich allzu viel Exposure da haben, keine Klumpenrisiken haben und man kann nur hoffen, dass diese ganzen Datencenter dementsprechend werthaltig sind. Wenn nicht, dann wird es ziemliche Kreditausfälle geben und dann wird das Finanzsystem auch belastet.
Markus Herrmann: Es wird ein sehr heißer Reifen gefahren, so will ich das mal nennen. Und das ist auch genau der Unterschied zu dem, was wir machen. Deshalb diskutieren wir das ja auch. Wir fokussieren uns einfach auf Unternehmen, wo man sagen kann: Ja, das hat Substanz, das ist unterbewertet. Da sehen wir auch auf eine absehbare Zeit, die wir einschätzen können, drei, fünf Jahre, eine operative Entwicklung, die eben fundiert ist und die vielleicht auch noch Nachholpotenzial hat. Und wir investieren eben nicht in Unternehmen, die extrem hoch bewertet sind oder wo extrem viel Gutes zusammenkommen muss, damit sich eine Investition auszahlt.
Tom Roth: Hast du jetzt schon selber eine gute Überleitung gegeben. Dann würde ich auch einfach mal sagen, schauen wir uns vielleicht auch einfach mal bei unseren Fonds die Aktien an, die du uns heute mitgebracht hast. Ich würde mal mit dem LOYS Premium Deutschland anfangen. Was hast du uns da für eine Aktie mitgebracht?
Markus Herrmann: Da habe ich heute die JDC mitgebracht, wahrscheinlich den meisten Finanzberatern und Maklern ein Begriff. JDC ist eine Maklerplattform beziehungsweise ein Maklerpool.
Markus Herrmann: Was ist daran spannend? Letzten Endes ist es, oder wie funktioniert überhaupt das Geschäftsmodell? Letzten Endes übernimmt JDC die Abwicklung der Verträge, die von den Maklern dann vermittelt werden beziehungsweise auch die Bereitstellung der Systeme und fungiert auch als Haftungsdach. Dann bekommt man von den Maklern im Schnitt einen 25-prozentigen Umsatzanteil und der Makler wickelt eben über die Plattform dann sein Geschäft ab.
Markus Herrmann: So weit, so gut. Der Maklermarkt in Deutschland ist jetzt kein wirklicher Wachstumsmarkt, eher eigentlich auch das Gegenteil. Wir werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehen, dass mehr und mehr Makler vom Markt verschwinden, ganz einfach, weil sie in Rente gehen. Also wir haben eine extrem schwierige demografische Entwicklung hier. Ich glaube, das Durchschnittsalter der Versicherungsmakler in Deutschland ist 56. Das ist wahrscheinlich ungeschlagen, wenn man das mit anderen Branchen vergleicht.
Markus Herrmann: Deswegen kann man ja die Rechnung schon anstellen, wie das dann in zehn bis 20 Jahren aussieht. Und der Maklermarkt konsolidiert sich und dementsprechend konsolidiert sich auch der Maklerpool-Markt. JDC als einer der größten Anbieter hier im Versicherungsbereich kann eben durch diese Konsolidierung Marktanteile gewinnen. Macht man schon seit vielen Jahren erfolgreich und dementsprechend gut hat sich das Unternehmen auch entwickelt.
Markus Herrmann: Was dann noch hinzukommt, was interessant ist, ist, dass JDC nicht nur seine Plattform entwickelt hat, sondern sich darüber hinaus auch Gedanken gemacht hat: Naja, wer könnte denn diese Plattform noch nutzen? Welche Versicherungsverträge könnten wir dann noch verwahren und abwickeln?
Markus Herrmann: Und dann ist man Kooperationen eingegangen mit beispielsweise verschiedensten Banken, die auch wiederum Versicherungen vermitteln, wie beispielsweise mehrere Sparkassenverbände, die Volks- und Raiffeisenbanken. Man hat beispielsweise auch mit der Allianz und mit der Gothaer Versicherung eine Kooperation, dass wenn eben die Versicherungsagenturen der Allianz beispielsweise oder der Gothaer Drittversicherungen vermitteln, beispielsweise von der AXA oder von der HUK-Coburg, was die auch dürfen, dann werden die auch wiederum über die JDC-Plattform vermittelt.
Markus Herrmann: Oder die Finanzguru-App, die man vielleicht schon mal gehört hat. Auch die haben ihre Verträge auf der JDC-Plattform.
Markus Herrmann: JDC hat auch ein Joint Venture mit Bain Capital, dem Private-Equity-Investor, der den Maklermarkt aktiv konsolidieren will. Das heißt, die übernehmen einfach mehrere Makler, werfen quasi die Bestände zusammen, können so Synergien heben und JDC hat sich an diesem Joint Venture beteiligt und bekommt im Gegenzug dann auch eben die Volumen auf die eigene Plattform, also mehrere Großkunden sozusagen, die das Geschäft auch treiben neben dem angestammten Maklergeschäft.
Markus Herrmann: Und dann kommt noch hinzu, dass man jetzt in jüngster Vergangenheit eine Akquisition getätigt hat namens FMK. FMK hat historisch Leads generiert im Internet über Google, über Social, über verschiedene Vergleichsportale, die man selbst betreibt für Finanzunternehmen. Was heißt das konkret?
Markus Herrmann: Man hat im Prinzip geschaut, nach was suchen Kunden, nach welchen Finanzprodukten. Wenn ein Kunde beispielsweise beim Vergleichsportal von Handelsblatt sich Tagesgeldkonditionen hat anzeigen lassen oder Kreditkonditionen, dann hat man eben diesen Lead, den man dadurch generiert hat, dann verkauft an beispielsweise die DKB oder die ING-DiBa, um mal zwei Namen zu nennen, und hat dadurch eine Provision bekommen.
Markus Herrmann: Und JDC sieht eben viel Potenzial in dem Geschäft an sich, das weiterhin profitabel zu betreiben, weil das ist ein sehr profitables Geschäft. Andererseits aber auch, um diese Leads eben auf den Versicherungsbereich auszuweiten und somit eigenes Versicherungsgeschäft bei nicht komplexen Versicherungen anzuziehen, auf die eigene Plattform zu ziehen beziehungsweise dann auch selber zu bewirtschaften und die Bestandsprovision zu verumsatzen, aber auch die Versteigerung dieser Leads an die eigenen Makler, wenn es eben um komplexere Dinge geht, wie private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, wo man einfach mehr Bedarf hat an Beratung.
Markus Herrmann: Das ist aus meiner Sicht eine interessante Synergie, die man hier aufbauen kann mit FMK. Die Aktie von JDC ist extrem stark zurückgekommen in den letzten Monaten, auch weil man hier wieder eine Aktie hat, die in diesen KI-Verlierertopf geworfen wurde, weil einfach der Aktienmarkt pauschal gesagt hat: Naja, Finanzberatung, warum wird das überhaupt noch von Menschen gemacht? Das wird in Zukunft die Maschine übernehmen. Da spreche ich dann einfach mit meinem AI-Bot und der sagt mir dann schon, welche Versicherung ich zu kaufen habe.
Markus Herrmann: Und an dem Beispiel erkennen wahrscheinlich auch die meisten Finanzberater und Makler, dass diese Argumentation vielleicht ein bisschen kurz gesprungen ist. Natürlich kann die Maschine einem sagen, welche Kfz-Haftpflichtversicherung zu mir passen würde, aber es ist noch mal was ganz anderes, wenn man mit dem Kunden am Tisch sitzt, überhaupt den Bedarf erstmal analysiert, viele Dinge auch im Gespräch erst zutage kommen und man kundenindividuell ein passendes Konzept zusammenstellen kann.
Markus Herrmann: Und eine ganz wichtige Komponente ist ja auch gerade im Versicherungsbereich, auf den JDC hauptsächlich fokussiert ist: Es ist meistens eben ein aktives Vertriebsgeschäft. Ich habe bei den meisten Kunden eben nicht den natürlichen Bedarf, jetzt unbedingt viele Versicherungen abzuschließen. Bis auf die Kfz-Haftpflicht braucht man ja auch keine Versicherung, die man zwingend notwendig abschließen muss in Deutschland.
Markus Herrmann: Dementsprechend ist natürlich der aktive Drang der Kunden, sowas zu machen, dann relativ gering. Deswegen wird der aktive Vertrieb im Versicherungsbereich immer seine Daseinsberechtigung haben und dementsprechend auch dann positiv für JDC Geschäft generieren.
Tom Roth: Also im Grunde ein Unternehmen, was sehr, sehr breit gefächert ist und eigentlich auch ganz gut dasteht. Wenn du erzählst, dass die da auch aktiv sich ihre Marktposition halten wollen. Wie waren da die Kennzahlen auf Portfoliomanager-Ebene von der Aktie?
Markus Herrmann: Das KGV ist jetzt deutlich runtergekommen. JDC ist ja ein Wachstumsunternehmen, also wir sprechen hier über durchschnittliches Umsatzwachstum von um die 15 Prozent organisch, was man schon seit Jahren zeigt und letzten Endes auch wahrscheinlich in der Zukunft so weiterführen kann, weil eben diese Großkunden extrem viel Geschäft generieren.
Markus Herrmann: Und wir haben jetzt noch ein KGV von 20 für dieses Jahr. Aber das fällt eben extrem schnell, weil die Plattform per se natürlich nicht wirklich weitere Investitionen braucht, wenn man mehr Volumen drauf hat. Natürlich muss man die Plattform jedes Jahr weiterentwickeln, aber letzten Endes skaliert man da eben schön den Umsatz drauf und hat somit auch den Margenhebel nach vorne.
Tom Roth: Also im Grunde genommen eine Aktie, nach der du suchst, die erstmal schnell in die KI-Verlierer-Ecke gerückt wird und sich dann im Nachhinein eigentlich rausstellt, dass es nicht ganz so einfach ist, wenn man sich das noch mal genauer anschaut.
Markus Herrmann: So sieht es aus.
Tom Roth: Was hast du uns denn für die Dividende mitgebracht?
Markus Herrmann: Für die Dividende habe ich dieses Mal keinen KI-Verlierer mitgebracht, sondern eine Aktie, die eben mit dem Iran-Konflikt zu tun hat beziehungsweise dann auch mit dem Ende davon. Weil die Frage ist ja, wo könnten jetzt Chancen entstehen?
Markus Herrmann: In den Premium Dividende habe ich vor kurzem die Aktie von Sulzer aufgenommen. Sulzer ist ein Schweizer Unternehmen, das drei verschiedene Segmente hat. Eins lasse ich mal aus der Diskussion außen vor. Das ist das Chemtech-Segment, steht nur für 15 Prozent des Ergebnisses. Da macht man überwiegend verschiedene Teile, Anlagen für die Chemieindustrie. Das ist ein eher stabiles Geschäft, das momentan ein bisschen zu kämpfen hat, steht aber nicht so im Rampenlicht.
Markus Herrmann: Die zwei interessanten Bereiche sind das Pumpensegment und das Servicegeschäft. Das Pumpensegment, wie der Name schon sagt, da bietet man eben Pumpen an, um Wasser zu pumpen, aber auch Öl zu pumpen, Chemikalien zu pumpen beispielsweise.
Markus Herrmann: Und wie man sich vorstellen kann, war dieses Segment jetzt negativ betroffen vom Iran-Konflikt, weil natürlich die Öl- und Gasindustrie in der Region, die da betroffen war, kaum geordert hat beziehungsweise viel Produktion auch stillstand. Jetzt kann man sagen, naja, dann wird wahrscheinlich das zweite Quartal von Sulzer nicht besonders gut aussehen und das erwarte ich auch nicht besonders gut. Das kommt ja jetzt dann Ende Juli, Anfang August, da werden wir hier die Zahlen kriegen.
Markus Herrmann: Aber ich gehe davon aus, dass eben der Ausblick sehr positiv sein wird, denn wenn der Konflikt beendet wäre und wie gesagt, spricht ja vieles dafür, dann kommt nicht nur die Öl- und Gasindustrie in diesen ganzen Anrainerstaaten wieder zum Laufen, sondern es muss extrem viel repariert werden, was wiederum gut ist für Sulzer.
Markus Herrmann: Und wir werden in den nächsten Jahren auch massive Bestrebungen erleben der ganzen Anrainerstaaten, um sich eben unabhängiger zu machen von der Straße von Hormuz. Die ersten Staaten haben ja schon angekündigt, massiv in Pipelines zu investieren zum Roten Meer oder an der Straße von Hormuz vorbei durch den Oman, um eben direkt dann in den Indischen Ozean leiten zu können sozusagen.
Markus Herrmann: Vielleicht wird auch noch die eine oder andere Pipeline zum Mittelmeer gebaut. Also es wird auf jeden Fall extrem viel investiert werden müssen in die ganze Infrastruktur, weil eben der einfache Weg einfach jetzt gefährlich wurde. Davon würde natürlich ein Unternehmen wie Sulzer dann profitieren. Wie gesagt, nicht unbedingt jetzt im zweiten Quartal, aber im zweiten Halbjahr und für die Jahre hinaus.
Markus Herrmann: Wir haben jetzt einen Aktienkurs gehabt, der von 170 Schweizer Franken auf unter 140 gefallen ist, Dividendenrendite von knapp vier Prozent, das mit einer Aussicht auf eine schöne Erholung in dem Pumpenbereich.
Markus Herrmann: Und der zweite große Bereich, den Sulzer hier noch hat, ist eben das Servicegeschäft. Da geht es nicht um Service für Pumpen, sondern da geht es um Service für Großmotoren und Turbinen. Und das ist eben im Sinne des ganzen Energiehungers der Datenzentren. Wir hatten ja das Thema KI gerade, ein höchst gut laufendes Geschäft.
Markus Herrmann: Denn da braucht es eben viel, viel an Dienstleistung und Wartung, um diese ganzen Generatoren, Turbinen, Motoren, die eben fossile Brennstoffe dann zu Strom umwandeln, damit sie überhaupt vom Datencenter gebraucht werden können, dass diese eben gewartet werden, gedienstleistet werden von Sulzer.
Markus Herrmann: Und gleichzeitig wird gefühlt auch jedes Material herangezogen, das man irgendwie in die Finger kriegen kann. Das heißt, ganz alte Turbinen, 30, 40 Jahre alt, oder auch Motore jetzt noch mal aufgemöbelt, aufgemotzt, damit sie irgendwo angeschlossen werden können. Und das ist dann ein sehr, sehr schönes Zusatzgeschäft für Sulzer, wo man eben auch hier momentan schönes Umsatzwachstum hat und schöne Margen verdient.
Markus Herrmann: Also ein schönes, gut wachsendes Cash-Cow-Geschäft sozusagen mit der Erholungskomponente im Pumpengeschäft obendrauf. Das Ganze jetzt zu einer Bewertung, die günstiger ist als in der Vergangenheit und für uns auch attraktiv ist. Das sind genau die Unternehmen, auf die wir dann gerne setzen.
Tom Roth: Dann können wir gespannt sein, wie sich das jetzt noch auch zum Ende des Jahres und auch im nächsten Jahr entwickelt. Das wird ja wahrscheinlich auch dauern, bis man da eine gewisse Infrastruktur wieder aufbauen kann. Aber dann bedanke ich mich für den Marktüberblick und auch für die beiden Einzelaktien und freue mich schon aufs nächste Mal.
Markus Herrmann: Ich mich auch.