Podcast-Transkript
Tom Roth: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres Podcasts. Live zugeschaltet ist wie jeden Monat aus Chicago Dr. Christoph Bruns. Herzlich willkommen, Herr Bruns.
Dr. Bruns: Ja, Herr Roth, ich grüße herzlich nach Frankfurt.
Tom Roth: Wir machen ja unseren allgemeinen Marktüberblick und ich würde vielleicht gerne mal zu den jüngsten Ereignissen kommen. Wir haben ja schon des Öfteren über den Iran-Krieg gesprochen. Da gab es teilweise auch schon Abkommen und die Straße von Hormuz war zwischenzeitlich auch frei, jetzt wieder mit Einschränkungen. Gestern gab es wieder größere Angriffe. Wie sehen Sie das denn aktuell und zeigt sich das ebenfalls auch am Kapitalmarkt wieder? Oder könnte man fast schon sagen, dass es da eine gewisse Resilienz bei diesen Nachrichten gibt?
Dr. Bruns: Ja, zunächst mal musste ich schmunzeln, Herr Roth, weil Sie von Konflikt sprechen. Das tun ja die Aggressoren gerne. Ich selber befleißige mich aber bekanntlich gerne einer klaren Wortwahl, würde also von einem Krieg sprechen wollen. Und hier zeigt sich das Alte: Es ist immer leichter, in einen Krieg hineinzukommen als wieder heraus. Das lernt ja gerade der amerikanische Präsident kennen, denn er hat gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Das ist selbstverständlich ein Krieg. Was anderes soll das wohl sein? Ähnlich übrigens wie bei den Russen. Das ist eben auch keine Spezialoperation, sondern ein Krieg.
Dr. Bruns: Aber es ist schwierig, Kriege siegreich zu beenden. Das scheint nicht zu gelingen für die Amerikaner. Im Gegenteil, ein Fiasko droht, denn der Iran hat sich angepasst, hat Mittel und Wege gefunden, die Amerikaner sehr zu ärgern und ihnen Schaden zuzufügen. Und wir im Rest der Welt sitzen mit im Boot, denn die Straße von Hormuz ist offenbar wichtig und die Versorgung mit Treibstoffen, Öl, Erdgas und dergleichen, auch Dünger, spielt eine große Rolle. Also der Iran hat hier einiges Geschick, auch diplomatisches Geschick, gezeigt.
Dr. Bruns: Nun geht das ein bisschen hin und her. Wir hatten einen Waffenstillstand, der ist aber nicht viel wert, denn es gibt ja keine guten Verträge. Es gibt keine Diplomaten in Amerika mehr, die das aushandeln können, sondern es sind ja nur noch Freunde des Präsidenten, die so etwas machen, und Verwandte. Das ist alles mit heißer Nadel gestrickt. Wir werden also noch ein bisschen mit dem Konflikt zu tun haben.
Dr. Bruns: Aber Sie haben ganz recht, Herr Roth, der Markt hat sich ein bisschen gewöhnt an diese chaotische Vorgehensweise. Das kennen wir nicht nur bei kriegerischen Tätigkeiten, denken Sie an Venezuela und andere Dinge, sondern das kennen wir auch aus der Handelspolitik. Und heute hieß es, man will gar keinen Handel mehr mit Spanien machen. Das ist so aus der Hüfte geschossen. Dieses Chaos ist bekannt, damit können wir leben, die Märkte auch. Und das ist das Wesentliche.
Dr. Bruns: Man muss immer im Einzelnen schauen, wer betroffen ist. Und wir wissen ja, dass die Treibstoffpreise von Bedeutung sind für das Thema Inflation. Das sticht den Präsidenten, damit kann er überhaupt nicht leben, denn es kommen ja wichtige Wahlen im November. Zweitens gibt es dann diese bekannten Branchen, die leiden: also die Fluggesellschaften, die Tourismusgesellschaften, meinetwegen die Kreuzfahrtschiffe. Die leiden gegebenenfalls unter höheren Treibstoffpreisen. Andere profitieren davon: die Ölgesellschaften, gegebenenfalls Raffineriegesellschaften. Also da hat man so den üblichen Satz an Gewinnern und Verlierern.
Dr. Bruns: Insofern ist es schade, dass es nicht klappt, den Konflikt zu befrieden. Aber Krieg ist nun mal Krieg, da kommt man nicht schnell raus. Die Börse kann damit eigentlich umgehen.
Tom Roth: Also können wir davon ausgehen, dass es sich auch noch etwas ziehen wird, und können natürlich nur hoffen, dass sich das schnellstmöglich auch regelt. Wenn wir mal in den USA bleiben: Wir hatten jetzt im letzten Monat ja, kann man wirklich sagen, ein Mega-IPO, was die Marktkapitalisierung angeht. SpaceX ist an die Börse gegangen mit einer Marktkapitalisierung von 2,1 Billionen US-Dollar. Jetzt ist es natürlich für viele Anleger interessant: Ist das eine gute Aktie, bei der man jetzt einsteigen sollte? Wie sehen Sie solche Mega-IPOs? Ich meine, OpenAI und Anthropic haben auch schon angekündigt, dass sie an die Börse wollen. Wie sehen Sie solche Börsenriesen?
Dr. Bruns: Zunächst mal ist ja auffällig, dass wir eine große Welle von Börsengängen haben. SpaceX war riesig, aber wir müssen hier aufpassen. Eingesammelt hat man 75 Milliarden Dollar. Der Marktwert des Unternehmens, was ja immer ein Buchwert ist, ein denkbarer Wert, der aber so nicht realisierbar wäre, lag eher bei zwei Billionen Dollar. Andere werden kommen, Sie haben es richtig gesagt.
Dr. Bruns: Ist die Aktie nun günstig? Sie ist ja zehn Prozent gestiegen seit der Ausgabe zu 135 Dollar. Jetzt stehen wir, sagen wir mal, bei 150 Dollar. Nein, die Aktie ist uninteressant. Sie ist vollgeladen mit Fantasie, aber sie hat wenig Umsatz und kaum Erträge. Sie macht ja Verluste. Insofern ist das für seriöse Leute nichts, für Spekulanten ist das ein großer Spaß. Und ich höre ja, dass viele auch dabei sind. Da ist viel Freude zu wünschen. Es gibt ja andere spekulative Märkte, an denen sich auch viele tummeln. Das hat also meinen Segen. Ich tue es nicht, mit meinem eigenen Geld nicht. Und Sie wissen ja, mein Geld befindet sich im LOYS Philosophie Bruns bestens aufgehoben.
Dr. Bruns: Wir müssen auch noch dazu sagen: Aller Euphorie bei Neuemissionen zum Trotz, der Markt selber ist ja ganz robust unterwegs. Grundsätzlich kann man sagen: zehn Prozent im Plus, alle Finanzmärkte, der eine mehr, der andere weniger, zum Beispiel Japan viel stärker und Frankreich und Deutschland eher schwächer. Aber wir kommen ja ganz gut über die Runden. Und der Markt kommt also mit der Situation, auch mit den Neuemissionsanforderungen, denn da wird ja viel Geld eingezogen, ganz gut zurecht.
Tom Roth: Grundsätzlich haben Sie ja mit dem LOYS Philosophie Bruns auch schon mehrmals erwähnt, dass Sie bei IPOs vorsichtig sind. Sie haben es ja gerade gesagt, dass das nicht die einzigen IPOs waren. Was sind denn da die Hintergründe, wenn man davon ausgehen könnte, dass es auch durchaus sehr solide Unternehmen gibt, die jetzt nicht zum Beispiel wie SpaceX einen AI-Bereich haben, der zu wünschen übrig lässt, was die Bewertung angeht?
Dr. Bruns: Zunächst: Der Verkäufer wählt den Zeitpunkt. Und den wählt er natürlich danach aus, ob die Bewertungen allgemein gut sind. Niemand bringt ein Unternehmen an die Börse, wenn die Börsenbewertungen tief sind. Das ist ja eine Frage purer Logik. Verkäufer wissen schon, was sie tun. Sie kennen in aller Regel ja das Unternehmen besser als die dann neuen Käufer. Die müssen sich ja erstmal vertraut machen mit der Sache. Es gibt also eine Informationsasymmetrie und alle Wahlentscheidungen liegen beim Verkäufer. Das gibt ihm einen gewissen Vorteil. Deshalb muss man bei Neuemissionen doppelt vorsichtig sein und ich bin es auch.
Dr. Bruns: Es gibt aber auch, wie Sie ganz richtig andeuten, Herr Roth, Ausnahmen. Es kommen manchmal Unternehmen an die Börse, die sind vielleicht nicht beliebt und deshalb bekommt man sie zu einem guten Preis, obwohl sie qualitativ viel taugen. Ich bin also grundsätzlich vorsichtig, aber nicht völlig abgeneigt, wenn die Dinge stimmen. Unsere Aufgabe ist es ja als Fondsmanager, kritisch zu prüfen mit fremder Leute Geld, ob wir dort investieren dürfen. Bei Neuemissionen eher nicht, aber gucken müssen wir schon auf jeden einzelnen Titel.
Tom Roth: Also schauen Sie bei Neuemissionen deutlich genauer drauf?
Dr. Bruns: Das will ich nicht sagen, sondern die Erfahrung lehrt einfach bei Neuemissionen, dass die Lage da viel schwieriger ist aus diesen Informationsasymmetrien heraus. Deshalb: Ich gucke hin, gucke auch bei anderen sehr genau hin, aber in der Regel finde ich bei Neuemissionen eher wenig Attraktives.
Tom Roth: Was ich jetzt gerne noch mit Ihnen machen würde: Das halbe Jahr ist jetzt schon rum, es gab ja wirklich einige Ereignisse. Dennoch kann man ja wirklich sagen, dass Ihre beiden Fonds auch sehr, sehr gut dastehen, wenn man sich die Year-to-Date-Performance anschaut. Da würde ich gerne mit Ihnen vielleicht einen gewissen Rückblick machen. Wir haben ja auch sehr, sehr häufig darüber gesprochen: Die KI-Verlierer, Softwarebereiche, IT-Dienstleister und Beratungsunternehmen standen ja am Anfang sehr, sehr schlecht da. Jetzt sieht man natürlich aber auch andere Tendenzen und hat auch zum Beispiel in den Bereichen Krypto und Rohstoffe gesehen, dass da einiges nicht so eingepreist wurde, wie man es vielleicht erwartet hat. Was ist denn da Ihr Rückblick?
Dr. Bruns: Sie haben ganz recht, Herr Roth, der Markt ist sehr unkonventionell gelaufen. Das hätte man am Jahresanfang überhaupt nicht so gedacht. Fangen wir zunächst mit den Zahlen an: Jawohl, LOYS Philosophie Bruns ist circa zehn Prozent im Plus. Gleiches gilt auch für LOYS Global. Da bin ich sehr froh, dass diese Wende dort gelungen ist. Dieser Fonds ist jetzt in besserem Fahrwasser und ich bin ganz zuversichtlich.
Dr. Bruns: Aber die Märkte im Hintergrund waren schon sehr wild. Wir hatten diese irrsinnige Rallye bei Halbleiteraktien, da ging es ja um hunderte von Prozent. Nun ja, während der LOYS Global dabei war, war der LOYS Philosophie Bruns eher nicht dabei, dafür in anderen Dingen: Energie, da war der LOYS Philosophie Bruns stärker und die Energiekrise, der Iran-Krieg und dergleichen haben ja hier geholfen.
Dr. Bruns: Also da hat sich das ziemlich durcheinander gemischt. Zwischenzeitlich waren allgemeine Rohstoffwerte, vielleicht auch Goldminen und dergleichen stark. Das hat sich alles beruhigt. Gold hat sich überhaupt nicht als sicherer Hafen erwiesen. Es gibt ja dieses Gerücht, dass Gold ein solcher Hafen sei. Ich habe noch nie Gründe erkannt, warum das so sein sollte. Gold erwirtschaftet ja nichts, verändert sich nicht, kann sich nicht verbessern. Bei Unternehmen ist das ja etwas ganz anderes.
Dr. Bruns: Deshalb war ich immer der Meinung, Herr Roth: Eine Aktie, das ist ein dynamischer Sachwert. Dynamisch heißt: Unternehmen versuchen täglich, besser zu werden, indem sie produktiver werden, indem neue Produkte entwickelt werden, indem das Management die Kosten senkt und so weiter, indem neue Märkte erobert werden. Der Klumpen Gold bleibt immer, was er ist. Er ist heute genauso wie vor 2.000 Jahren, während Unternehmen sich ständig verbessern. Dieses Verbessern hat dann eben auch einen Renditevorsprung zur Folge.
Dr. Bruns: Deshalb bin ich im Innersten überzeugt, dass die Aktienanlage doch das Klügste ist. Abgesehen davon: Sie hat auch sehr geringe Kosten und Sie können sehr gut streuen. Streuen Sie mal bei Gold, wohin wollen Sie streuen? Und bei Krypto können Sie zwar streuen, es gibt inzwischen tausende virtuelle Kryptomünzen, aber dort kann man gar keine Substanz dahinter erkennen. Und der Markt ist ja in Schwierigkeiten geraten. Er ist zwar groß, da kann viel spekuliert werden, viel gehandelt werden, aber ein innerer Wert ist für mich nach wie vor nicht zu erkennen.
Dr. Bruns: Also es war ein wildes erstes Halbjahr. Meine beiden Fonds sind sehr gut damit zurechtgekommen. Ich bin auch zuversichtlich. Ich denke, wir sind ganz gut investiert. Jahre mit zweistelliger Wertentwicklung nehmen wir gerne zur Kenntnis. Dass es jetzt zum Halbjahr schon so ist, umso besser. Also ich würde mal sagen, ich gehe mit einer inneren Gelassenheit jetzt auch in das zweite Halbjahr. Wir müssen hier nicht pessimistisch sein.
Tom Roth: Dann können wir uns ja wirklich auf die nächsten Monate und auf den Abschluss dieses Jahres freuen. Und dann bedanke ich mich auch schon für den Marktausblick und für die Einblicke in Ihren Fonds und freue mich aufs nächste Gespräch. Dankeschön.
Dr. Bruns: Gerne.