Gesundheitsaktien lahmen

Zu den auffallend schwachen Sektoren an der Börse zählen seit Monaten die Aktien des Gesundheitssektors. Ungeachtet des strukturellen Rückenwindes, der dem Sektor durch die gesellschaftliche Überalterung in den entwickelten Ländern zu eigen ist, tun sich Gesundheitsaktien aus mehreren Gründen schwer.

Das liegt keineswegs nur an den amerikanischen Zöllen. Angesichts dramatisch angestiegener Gesundheitskosten versuchen die Regierungen vieler Länder, Kostendeckel in das System einzuführen bzw. Preise abzusenken. In den Vereinigten Staaten von Amerika bemüht sich Präsident Trump, die Pharmakonzerne zu Preiskonzessionen zu zwingen. Zudem verlangt der 47. Amerikanische Präsident die Verlagerung von Arzneimittelproduktion in die USA. Einige Unternehmen haben bereits entsprechende Verträge mit der Regierung unterzeichnet. Große Unternehmen wie Pfizer, Abbott Labs und Bristol Myers sind weit von ihren Höchstkursen entfernt und verglichen mit beliebten Aktien aus dem Technologiesektor auffallend günstig bewertet.

Auch in Deutschland verspürt die Gesundheitsbranche Gegenwind. Die angekündigte Gesundheitsreform dürfte negative Auswirkungen auf die Marktteilnehmer haben. Erwartungsgemäß versuchen manche Unternehmen und deren Verbände, Widerstand zu leisten. In der vergangenen Woche hatten sowohl Eli Lilly als auch Boehringer Ingelheim Investitionskürzungen am Standort Deutschland angekündigt. Bereits vor Wochen hatte Biontech aus Mainz gemeldet, seine Vakzin-Produktion in Marburg gänzlich einzustellen. Ein Kontrastprogramm dazu stellt aber der US-Wettbewerber Moderna dar, weil von dort Fortschritte bei der Krebsbekämpfung gemeldet werden.

Unternehmen aus der Medizintechnik leiden ebenfalls unter einer schwierigeren Branchenkonjunktur. Ob Thermo Fisher, Boston Scientific, Olympus, Siemens Healthineers, Qiagen oder Carl Zeiss Meditec. Die Geschäfte laufen nicht mehr so geschmeidig, wie das ehedem der Fall war. Dabei spielt auch eine wachsende Konkurrenz aus China eine Rolle. Marktteilnehmer aus dem Land der Mitte gewinnen vor allem in China selber Marktanteile.

Kaum besser gerierten sich zuletzt Labor-Aktien. Börsennotierte Laborunternehmen wie etwa QuidelOrtho aus den USA oder BML Inc. aus Japan mussten Federn lassen. Und auch Dienstleister wie Fresenius Medical Care haben an der Börse schon bessere Zeiten gehabt, wiewohl der Wettbewerber DaVita einen Paradejahrgang erwischt hat.

Die großen amerikanischen Krankenversicherer tun sich ebenfalls schwer, an ihre besten Zeiten anzuknüpfen. Obwohl steigende Behandlungs- und Medikamentenkosten durch deutlich höhere Preise für die angebotenen Policen weitergegeben werden, steigt die Zahl derjenigen, die sich keinen Krankenversicherungsschutz leisten wollen bzw. können. An den Kursen von Humana und UnitedHealth lässt sich dieser Trend nachvollziehen.

Mitunter sind es auch Wettbewerbsgründe, warum die Aktien einzelner Unternehmen aus dem Gesundheitssektor leiden. Das ehemals teuerste Unternehmen Europas, Novo Nordisk aus Dänemark, sah seinen Aktienkurs angesichts von Marktanteilsverlusten bei seinen Abnehmpräparaten von einem Höchstkurs von ungefähr 1.000 Kronen auf zuletzt 280 Kronen fallen. Es könnte gut sein, dass die Gesundheitsbranche mit Fusionen und Übernahmen auf die derzeitig angespannte Lage reagiert.


Aus Chicago

Ihr 

Dr. Christoph Bruns