Denn SpaceX ist aus Innovationssicht zweifellos eines der bemerkenswertesten Unternehmen, die jemals an eine Börse gegangen sind. Die Frage ist nur: Rechtfertigt das die Bewertung?
Was SpaceX wirklich leistet – und warum das beeindruckend ist
Beginnen wir mit dem, was unbestreitbar ist. SpaceX hat die kommerzielle Raumfahrt revolutioniert wie kein zweites Unternehmen. Mit wiederverwendbaren Trägersystemen hält das Unternehmen heute einen Marktanteil von über 90 % beim kommerziellen Raketenstart weltweit. Was einst staatliche Raumfahrtbehörden mit Jahrzehnten und Milliarden aufgebaut haben, hat Musk in einem Bruchteil der Zeit neu erfunden und dabei die Startkosten dramatisch gesenkt.
Das eigentliche Herzstück des Unternehmens ist heute jedoch nicht mehr die Rakete, sondern Starlink. Das Satelliten-Breitbandnetz erzielte 2025 einen Umsatz von rund 11,4 Milliarden US-Dollar, verdoppelte seine Abonnentenbasis auf 10,3 Millionen innerhalb von zwölf Monaten und erwirtschaftete dabei einen operativen Gewinn von 4,42 Milliarden Dollar – eine Steigerung um 100 % gegenüber dem Vorjahr. Morgan Stanley prognostiziert für Starlink bis 2030 einen Jahresumsatz von rund 50 Milliarden Dollar bei einer EBITDA-Marge von etwa 50 %. Das ist ein echtes, skalierbares Geschäft mit wiederkehrenden Erlösen und der einzige globale Anbieter seiner Art in dieser Qualität.
Innovationsseitig ist SpaceX eines der seltenen Unternehmen, das gleichzeitig echte Infrastruktur aufbaut, einen technologischen Vorsprung verteidigt und neue Märkte definiert. Das Starship-Programm, das orbitale Rechenzentren und die Möglichkeit einer globalen Echtzeit-Konnektivität sind keine Phantasien – sie sind real in Entwicklung.
Warum die nüchterne Analyse trotzdem Pause gebietet
Und doch: Als Fondsmanager, der laufend nach innovativen Unternehmen sucht, die Innovation bereits heute in reale Cashflows übersetzen, muss ich klar sagen – beim SpaceX-Börsengang häufen sich die Warnsignale.
Das erste und größte ist die Bewertung. 1,75 Billionen US-Dollar entsprechen mehr als dem 90-fachen des Jahresumsatzes von 2025. Zum Vergleich: Morningstar taxiert den fairen Wert auf rund 780 Milliarden Dollar – weniger als die Hälfte des angestrebten IPO-Preises. Und das bei einem Unternehmen, das 2025 einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar auswies, nach einem Gewinn von 791 Millionen im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 weitete sich der Verlust auf 4,28 Milliarden Dollar aus – bei einem Quartalsumsatz von 4,69 Milliarden.
Der Hauptgrund für diese Verluste ist die Fusion mit xAI im Februar 2026. In einem reinen Aktientausch wurde das KI-Startup mit 250 Milliarden Dollar bewertet und vollständig in SpaceX integriert. Seitdem investiert das Unternehmen mehr in KI-Forschung als in Raketen: Allein im ersten Quartal 2026 flossen 7,7 Milliarden Dollar in den KI-Bereich – bei einem Gesamtumsatz von 4,69 Milliarden. Das heißt: Die profitablen Teile des Unternehmens finanzieren ein KI-Segment, dessen Rentabilität vollkommen ungeklärt ist. Wer SpaceX kauft, kauft kein Raumfahrtunternehmen mehr. Er kauft eine Wette auf ein Konglomerat aus Satelliteninternet, Raumfahrtinfrastruktur, KI und Social Media unter einem Dach – zusammengehalten durch eine einzige Person.
Und genau das führt zum nächsten strukturellen Problem: der Governance. Musk sichert sich über eine Dual-Class-Aktienstruktur zwischen 82 und 85 Prozent der Stimmrechte. Minderheitsaktionäre finanzieren das Wachstum, haben aber faktisch keinen Einfluss auf die strategische Ausrichtung. Im S-1-Prospekt werden Musks politische Aktivitäten, Interessenkonflikte und sein Zeitmanagement über zahlreiche weitere Unternehmen explizit als Risikofaktoren dokumentiert. Das ist kein Formularbaustein – das ist ein Hinweis, den man ernst nehmen sollte.
Hinzu kommt ein Detail, das bisher wenig Beachtung findet: Die für institutionelle Investoren entscheidende Aufnahme in den Nasdaq 100 soll bereits nach 15 Handelstagen erfolgen – obwohl der Freefloat mit drei bis vier Prozent weit unter der üblichen Zehn-Prozent-Grenze liegt. Eigens für SpaceX wurde eine Fast-Entry-Regel angepasst. Das beschleunigt zwar milliardenschwere Zuflüsse aus Passivfonds, löst aber keine der fundamentalen Fragen. Es schafft kurzfristig Kursdruck, kein nachhaltiges Fundament.
Was das für den LOYS Innovation Leaders bedeutet
Im LOYS Innovation Leaders investieren wir in Unternehmen, die Innovation bereits heute in reale Cashflows, hohe Margen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile übersetzen. SpaceX erfüllt dieses Kriterium in Teilen – Starlink ist ein echtes Geschäft mit messbarer Preissetzungsmacht. Das xAI-Segment jedoch ist ein kapitalintensives Versprechen auf eine Zukunft, die niemand zuverlässig prognostizieren kann.
Die entscheidende Frage für uns als aktive Fondsmanager lautet nicht: Ist SpaceX ein innovatives Unternehmen? Die Antwort ist eindeutig ja. Die Frage lautet: Rechtfertigt die aktuelle fundamentale und bewertungstechnische Situation den Einstieg – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem Verluste explodieren, die Governance Minderheitsaktionäre strukturell benachteiligt und die Index-Aufnahme künstlich beschleunigt wird?
Die Lehre aus zwei Jahrzehnten Innovationsinvestment ist: Die beste Technologie und das beste Investment müssen nicht dasselbe sein. Amazon hat die Welt verändert, aber wer im Jahr 2000 kaufte, wartete zwölf Jahre auf seinen Einstandspreis. SpaceX könnte ähnlich transformativ sein. Das ändert nichts an der schlichten Tatsache, dass Timing und Bewertung über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
SpaceX bleibt ein Unternehmen, das wir intensiv verfolgen. Doch für den LOYS Innovation Leaders gilt ein Prinzip, das keine Ausnahmen kennt: Innovationskraft muss mit echter Ertragskraft verbunden sein. Peter Lynch hat das auf den Punkt gebracht: „Sooner or later, earnings make or break an investment in equities.“ Nicht das Versprechen künftiger Gewinne, sondern deren nachgewiesene Realität entscheidet darüber, ob ein Unternehmen in unser Portfolio gehört. Wir investieren nicht ins Prinzip Hoffnung – egal wie faszinierend die Vision dahinter ist.
Wichtige Hinweise: Diese Publikation dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Entwicklung. Der Wert von Anlagen kann sowohl steigen als auch fallen. Backtesting-Ergebnisse sind hypothetischer Natur und spiegeln keine tatsächlichen Handelsergebnisse wider. Weitere Informationen zum Fonds entnehmen Sie bitte dem aktuellen Prospekt, der bei der LOYS AG, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt am Main, kostenlos angefordert werden kann.
