Aber im Unterschied zu den ersten Monaten des Jahres sekundierten Softwareaktien dem Halbleiterriesen. Die Berichte von SAP, Salesforce, Adobe, ServiceNow, Okta und anderen Unternehmen des Sektors überraschten den Markt durchweg positiv. Damit scheint sich das Menetekel einer Software-Substitution durch KI vorläufig verzogen zu haben. Zu den Profiteuren der Software-Renaissance gehören auch klassische IT-Dienstleister. Sportlich aufwärts ging es z. B. bei GFT Technologies aus Stuttgart, nachdem die Quartalszahlen dort zu überzeugen wussten und neue Aufträge vermeldet werden konnten. Auch bei Globant, Accenture und EPAM Systems kam es nicht zu den befürchteten Dämpfern im Zahlenwerk. Vielmehr weisen all die genannten Unternehmen in ihren Berichten darauf hin, dass sie große KI-Gewinner sind, weil sie ihren Unternehmenskunden helfen, KI in deren Geschäftsabläufe zu implementieren. So wie heute kein Unternehmen ohne Internetauftritt vorstellbar ist, wird es in Zukunft auch in Bezug auf KI sein. Die Technik ist gekommen, um zu bleiben, und wird sukzessive eine wichtige Rolle in nahezu allen Unternehmen spielen. Dies wissen die Unternehmen auch, weshalb sie sich bemühen, möglichst frühzeitig auf den Zug aufzuspringen, um ggf. Wettbewerbsnachteile zu vermeiden bzw. Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Als großer Flaschenhals der KI-Verbreitung wird die Rechenkapazität bestehender Datenzentren gesehen. Deshalb werden astronomische Summen in den Aufbau zusätzlicher Rechenzentren gesteckt. Das ist durchaus ein globales Phänomen, wenngleich die amerikanischen Internetgiganten hier vorangehen. Klar ist aber auch, dass alle Unternehmen, die Zulieferdienste für Rechenzentren betreiben, derzeit volle Auftragsbücher aufweisen. Das gilt für Zementhersteller ebenso wie für Kabellieferanten und Computerserverhersteller.
Weniger sicher ist, welche Gewinne sich mit diesen riesigen Investitionen einfahren lassen werden. Der intensive Wettbewerb um die Spitzenplätze im KI-Rennen ist eine gute Nachricht für die Kunden dieser Dienstleistungen. Der Preiswettbewerb bei KI-Modellen wird nicht zuletzt durch chinesische Anbieter befeuert. Im Reich der Mitte hat man KI als zentrales Geschäftsfeld erkannt und wünscht, auf dem Weltmarkt ein gehöriges Wort mitzusprechen. Die unlängst angekündigte Kapitalerhöhung beim chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba ist ein deutlicher Beleg dafür, dass man im Reich der Mitte auf Augenhöhe mit den amerikanischen Konkurrenten arbeiten will. Zugleich spricht manches dafür, dass die enormen Ertragshoffnungen, die mit den KI-Anbietern verbunden sind, bereits in deren Börsenkursen eskomptiert sind.
Aus Chicago
Ihr
Dr. Christoph Bruns