Wie die Auswanderungsstatistik offenbart, entziehen sich gerade gut ausgebildete junge Menschen den Bürden ihres Vaterlandes und wandern aus. Dabei fehlt dem Land nichts mehr als ein gesunder Bevölkerungsaufbau, der stets durch eine starke Kohorte junger Menschen gekennzeichnet ist. Kurzum: Der Standort muss attraktiver werden. Dazu meinte die Regierung Merz/Klingbeil, nun einen guten Vorschlag vorgelegt zu haben. Eine Steuerreform sollte, so verkündete der Finanzminister, Teile der Bevölkerung in den kommenden Jahren finanziell entlasten. Aber wenn man einmal davon absieht, dass das bekannt gewordene Volumen der verheißenen Nettoentlastung mickrig und keineswegs substanziell ist, dann wiegt viel schwerer, dass Überprüfungen des Zahlenwerkes zu sehr ernüchternden Ergebnissen gelangen. Wird nämlich die stetige und hohe Geldentwertung, an deren Bekämpfung die Europäische Zentralbank seit Jahren scheitert, mitberücksichtigt, dann zeigt sich, dass selbst die vermeintlich Entlasteten eine schwindende Kaufkraft gewahren müssen. Technisch gesprochen: Die kalte Progression wird nicht hinreichend ausgeglichen, so dass Preissteigerungen etwaige Abgabenentlastungen überkompensieren.
Aktienfondssparer wie die LOYS-Anleger kennen das Problem seit langem. Bei Wertpapiererträgen langt der Fiskus voll zu und schert sich nicht um die kalte Progression. Per Saldo besteuert der Staat also Luftgewinne, die beim Anleger gar nicht zu Zuwächsen in der Kaufkraft geführt haben. Nun ist zugleich hinlänglich belegt, dass Deutschland einen im Vergleich zu seiner Wirtschaftskraft kleinen Aktienmarkt hat. Wenn man dieses Defizit bekämpfen wollte, könnte man etwa die Besteuerung von Dividenden und Aktien um die kalte Progression bereinigen. Das wäre nicht nur fair, es wäre auch klug, denn vor allem im Vergleich zu Amerika leidet Deutschland an zu geringen privaten Eigenkapitalfinanzierungen. Man hat es oft bei Neugründungen von Unternehmen gesehen. Sobald es sich um Jungunternehmen mit großem Potential handelt, sind es US-Investoren, die mit einer Eigenkapitalfinanzierung bereitstehen. Derweil meint man im politischen Berlin, die staatliche KfW-Bank müsste diese Rolle einnehmen. Daran sieht man, dass es der Mangel an privaten Investitionen ist, der Deutschland vor allem fehlt. Also gilt es hier den Hebel anzusetzen. Die Investitionsbedingungen für private Investoren aus dem In- und Ausland müssen verbessert werden. Dazu muss der Wirtschaftsstandort Bundesrepublik Deutschland attraktiver gemacht werden. Steuern und Abgaben gehören gewiss zu den Standortbedingungen. Um Kapital anzuziehen, ob für Häuserbau oder KI-Investitionen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Ist das nicht der Fall, wird die Staatsquote weiter zunehmen und der marktwirtschaftliche Rahmen zunehmend erodieren. Schon heute hat sich der Staat viel zu viele Staatsabhängige geschaffen.
Insofern wäre es überfällig und wünschenswert, wenn der Staat die kalte Progression bei Investitionen in Unternehmen abschafft. Um aber die Einnahmeausfälle, welche durch den offenbaren Fairness-Gewinn entstehen, auszugleichen, muss der Staat anfangen, endlich zu sparen. Vorbild könnte dabei der DOGE-Ansatz aus den USA sein. Immerhin hat sich dort der Staat in recht kurzer Zeit von 10 % seiner Mitarbeiter getrennt. Angesichts des demographisch bedingten Arbeitskräftemangels hierzulande würden die freigesetzten qualifizierten Mitarbeiter sogleich im Arbeitsmarkt vermittelbar sein.
Ihr Fondsmanager und Mitinvestor
Dr. Christoph Bruns
Chicago, 31.08.2026