Kryptomünzen erleben Kurseinbruch

Am Markt für Kryptomünzen ist eine spekulative Branche geplatzt. Sinnbildlich zeigt sich die Entwicklung beim Bitcoin, der mit Abstand wichtigsten Krypotmünze. Seit dem Höchststand im Oktober 2025 fiel XBT von ca. 120.000 US-Dollar auf ca. 70.000 US-Dollar, ein Rückgang um ca. 40 %.

Anderen Kryptomünzen ist es kaum besser ergangen, im Gegenteil. Dies ist nicht das erste Mal, dass der Bitcoin einen heftigen Kurssturz erleidet. Zwischen November 2021 und Dezember 2022 betrug die Fallhöhe sogar 75 %. Wer in solchen Anlageinstrumenten spekuliert, muss also auf erratische Kursentwicklungen gefasst sein.

Um die Entwicklung einschätzen zu können, ist es hilfreich, eine geeignete Definition des Themas ´Investieren´ zur Hand zu nehmen. Die Nestoren des wertorientierten Investierens, Benjamin Graham und David L. Dodd, schrieben in ihrem bekannten Werk ´Security Analysis´, dass von ´Investieren´ gesprochen werden könne, wenn gründliche Analyse des Anlagegegenstandes ergäbe, dass Sicherheit des eingesetzten Kapitals und eine angemessene Rendite erwartet werden könne. Bei solchen Anlagegegenständen aber, bei denen diese beiden Bedingungen nicht erfüllt seien, handele es sich um Spekulationen. Legt man diese Definition zugrunde, dann sind Anlagen in Kryptomünzen offenbar Spekulationen. Als eine Parallele aus der Vergangenheit könnte etwa die Tulpenmanie in den Niederlanden des siebzehnten Jahrhunderts angesehen werden.

Etwas anders verhält es sich mit sogenannten ´Stablecoins´. Sofern diese Münzen mit messbaren Vermögenswerten unterlegt sind, kann ein angemessener Wert ermittelt werden. Bei Vollunterlegung mit kurzfristigen Staatspapieren kann sich sogar eine hohe Preisstabilität solcher Stablecoins ergeben.

Die große Beachtung, die der Kryptocrash in den Medien findet, verdankt sich dessen hohem Marktwert. Der Kurswert aller Bitcoins beträgt nach dem Kursverfall ca. 1,1 Billionen Euro. Nimmt man die anderen Kryptomünzen hinzu, dann entspricht ihr derzeitiger Kurswert in etwa dem Wert aller im DAX gemessenen deutschen Unternehmen in Höhe von ca. 2,1 Billionen Euro. Damit wird verständlich, warum die Bank of America auf die Frage, warum sie sich am Kryptomarkt engagiere, antwortete, dieser Markt sei zu groß, um ignoriert zu werden. Von dem Crash bei Krypotmünzen gehen daher Abstrahlungseffekte aus. Vorstellbar sind z. B. Vermögenseffekte bei betroffenen Anlegern. Dabei sollten wir uns daran erinnern, dass viele Spekulanten auf den Kryptozug aufgesprungen sind, nachdem der 47. Amerikanische Präsident seine Unterstützung für diesen Sektor bekanntgegeben hat. Betroffen von dem Kurseinbruch sind auch die Börsen, Broker und Handelsplattformen, die mit dem Kryptohandel Geld verdienen. Coinbase Global Inc., die größte Kryptohandelsplattform, musste zuletzt Verluste melden und sah ihren Aktienkurs ebenfalls unter schweren Abgabedruck geraten. Nicht anders erging es dem Neobroker Robinhood, der einen signifikanten Anteil seiner Gewinne mit dem Kryptohandel seiner Depotinhaber verdient. Dort kam es zuletzt zu drastischen Rückgängen. Besonders markant sind die Kryptohortungsunternehmen, wie etwa das US-Unternehmen Strategy Inc., vom Kryptocrash tangiert. Die vormals mit einem Aufschlag zu den gehaltenen Bitcoins gehandelte Aktie hat sich zuletzt geviertelt, besitzt aber noch einen Marktwert in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar und damit ungefähr so viel wie die RWE Aktie.


Aus Chicago

Ihr 

Dr. Christoph Bruns