Freilich wird es nicht möglich sein, jetzt nachzuholen, was jahrzehntelang an Rendite verpasst wurde. Im Grunde weiß man seit Jahrzehnten, dass ein Umlagesystem, bei dem die derzeitigen Arbeitnehmer für die derzeitigen Rentner zahlen, aufgrund der unvorteilhaften demographischen Entwicklung scheitern musste. Der Pillenknick lässt sich in den Geburtenstatistiken in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts datieren. Anstatt aber dem Beispiel der allermeisten Länder zu folgen, wurde das Problem ignoriert und mit steuerfinanzierten Rentenzahlungen verkleistert. Der löbliche Versuch der Regierung Schröder/Fischer im Rahmen der Agenda 2010, den Einstieg in eine dritte kapitalgedeckte Altersversorgungssäule unter dem Begriff Riester-Rente zu schaffen, misslang aufgrund handwerklicher Unzulänglichkeiten.
Nun aber sind die Kassen leer und der Staat muss enorme Schulden aufnehmen, unter anderem auch um die Renten zu finanzieren. In gewissem Umfang scheint die Bundesregierung begriffen zu haben, dass die Ergänzung des Umlagesystems durch ein kapitalgedecktes Rentenelement klug gewesen wäre. Dabei bedeutet die Vokabel ´kapitalgedeckt´ im Kern ´in Aktien investiert´. Die Daten der Vergangenheit besagen eindeutig: Aktienanlagen sind für die meisten Menschen der beste Weg, langfristig Vermögen aufzubauen. Leider hat das geringe Bildungsniveau deutscher Politiker und Bürger in Kapitalanlagefragen dazu geführt, dass die Deutschen kein Volk der Aktienanleger geworden sind. Hierdurch erklärt sich auch der geringe Wohlstand der Deutschen gegenüber den meisten Nachbarländern, wenn es um Geldvermögen geht.
Bedauerlicherweise fehlte es der Bundesregierung an Erkenntnis und Mut, das Thema Altersvorsorge und Kapitalmarkt im Rahmen einer großen Steuerreform völlig neu aufzustellen. Denn es bedarf eigentlich gar nicht staatlich sanktionierter Produkte, um die Aktienanlage für jedermann attraktiv zu machen. Zunächst ist daran zu erinnern, dass die Mindestanlage bei Aktienfonds vielfach nur 25 Euro beträgt. Die größten Feinde guter Renditen in der Aktienanlage lauten ´Steuern´ und ´Inflation´. Wenn der Staat die Vermögensbildung aus Bruttoeinkommen erlaubt und die Besteuerung niedrig verankert, dann kann die Aktienanlage ihre Renditevorteile voll ausspielen. Aber bekanntlich werden ausgeschüttete Dividenden effektiv mit nahezu 50 % besteuert und auf Kursgewinne fallen Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an. Daher wäre es besser gewesen, der Staat würde die Anlagebedingungen deutlich verbessern. Ginge der Staat überdies hin und erlaubte die Verrechnung von etwaigen Aktienverlusten mit anderen Einkunftsarten, dann nähme er der Bevölkerung das dort tief verankerte aber falsche Bewusstsein, Aktienanlagen seien besonders riskant. Übrigens ist daran zu erinnern, dass Kursgewinne aus Gold und Kryptomünzen nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind. Angesichts der überlegenen Renditen bei langfristigen Aktienanlagen wäre pikanterweise gerade der Staatshaushalt der große Gewinner einer solchen Reform. Der Blick in die Schweiz zeigt überdeutlich, dass niedrige Steuern, solide Staatshaushalte und hoher Wohlstand der Bevölkerung Hand in Hand gehen. Ob in der Russlandpolitik, der Energiepolitik oder der Rentenpolitik: Von den Nachbarn zu lernen heißt, erfolgreich zu sein. Deutsche Sonderwege und damit deutscher Hochmut müssen künftig tunlich vermieden werden, um den Wohlstand der Bürger des Landes fürderhin zu priorisieren.
Ihr Fondsmanager und Mitinvestor
Dr. Christoph Bruns
Chicago, 31.03.2026